Portrait Christian Kracht
© Noa Ben-Shalom

Gast des ilb 2009, 2021.

Bibliographie

Faserland
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1995


Ferien für immer
[Mit Eckhart Nickel]
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1998


Tristesse Royale
Ullstein
München, 1999

 

Der gelbe Bleistift
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000


1979
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2001
Mesopotamia
[Hg.]
dtv
München, 2001


New wave
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2006


Die totale Erinnerung
[Mit Eva Munz, Lukas Nikol]
Rogner & Bernhard
Berlin, 2006


Metan
[Mit Ingo Niermann]
Rogner & Bernhard
Berlin, 2007


Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2008


Imperium
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2012


Die Toten
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2016


Eurotrash
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2021

Christian Kracht [ Schweiz ]

Christian Kracht wurde 1966 im schweizerischen Gstaad geboren. Seine Jugend verbrachte er in Deutschland, den USA, Kanada und Südfrankreich. Nachdem er als Reporter bereits für die »BZ« sowie für »Tempo« und den »Spiegel« gearbeitet hatte, wurde er Mitte der neunziger Jahre Indienkorrespondent des »Spiegel« in Neu-Delhi. Anschließend lebte er in Bangkok und Nepal. Seine Erfahrungen, die er auf Reisen durch verschiedene asiatische Länder sammelte, beschrieb er für die »Welt am Sonntag« in Reiseberichten, die später in dem Band »Der gelbe Bleistift« (2000) erschienen. Danach begann er als Kolumnist für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« zu arbeiten.
Als feiner Stilist unumstritten, provoziert Kracht mit Ironie und seinem ostentativen Plädoyer für Leichtigkeit und Oberfläche. Mitte der neunziger Jahre wurde er mit dem Roman »Faserland« (1995) als Vertreter der Popliteratur einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Darin streift ein Ich-Erzähler durch die Party- und Drogenszene des zeitgenössischen Deutschlands. 1999 trat Kracht zusammen mit Joachim Bessing, Eckhart Nickel, Alexander von Schönburg und Benjamin von Stuckrad-Barre als »popkulturelles Quintett« auf und veröffentlichte mit ihnen »Tristesse Royale«. Überrascht von einer neuen Ernsthaftigkeit zeigte sich ein Teil des Literaturbetriebs angesichts von Krachts zweitem Roman »1979« (2001). Der Autor stellt darin die als dekadent und ohnmächtig geschilderte westliche Welt in Gestalt seines Protagonisten den totalitären Systemen des Maoismus und des Islam gegenüber. Er zog sich den Vorwurf zu, die Ästhetik über die Ethik zu stellen, als er den Bildband »Die totale Erinnerung« (2006) mitgestaltete. Darin wird das für ausländische Besucher inszenierte Nordkorea Kim Jong Ils gezeigt. Kracht, durchaus in der Tradition des Dandys stehend, beruft sich auf Flaubert und überlässt wie dieser die Interpretation und moralische Schlussfolgerungen aus den Werken den Leser*innen. »Metan« (2007) wurde in Zusammenarbeit mit Ingo Niermann geschrieben und stieß erneut auf geteilte Kritik. Die ironische Weltverschwörungstheorie weist diesem Gas eine ganz neue Rolle zu. »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten« (2008) beschreibt einen fiktiven, alternativen Verlauf der Weltgeschichte nach dem Ersten Weltkrieg. »Imperium« (2012) erzählt vom deutschen Aussteiger August Engelhardt, der in Deutsch-Neuguinea eine Kokosplantage betreibt und mit seinem Weltverbesserungswahn die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt. Der Roman wurde vorwiegend positiv rezensiert, der Autor gegen den Vorwurf verteidigt, er sei »Türsteher rechter Gedanken«, wie der »Spiegel« behauptete. In seinem jüngsten Roman »Eurotrash« (2021) taucht ein namenloser Ich-Erzähler ins eigene Innere und in die abgründige Geschichte seiner Familie ein, die auf tragische wie komische Weise mit der seines Geburtslandes verwoben ist.
Kracht erhielt u. a. den Axel-Springer-Preis 1992, den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2012 und den Hermann-Hesse-Literaturpreis 2016. Er lebt an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt.

http://www.christiankracht.com