Portrait Patricia Melo
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2021.

Bibliographie

O Matador
Klett-Cotta
Stuttgart, 1997
[Ü: Barbara Mesquita]


Wer lügt gewinnt
Klett-Cotta
Stuttgart, 1999
[Ü: Barbara Mesquita]


Ich töte, du stirbst
Klett-Cotta
Stuttgart, 2001
[Ü: Barbara Mesquita]


Inferno
Klett-Cotta
Stuttgart, 2003
[Ü: Barbara Mesquita]


Schwarzer Walzer
Droemer
München, 2005
[Ü: Barbara Mesquita]


Leichendieb
Tropen
Stuttgart, 2013
[Ü: Barbara Mesquita]


Trügerisches Licht
Tropen
Stuttgart, 2016
[Ü: Barbara Mesquita]


Der Nachbar
Tropen
Stuttgart, 2018
[Ü: Barbara Mesquita]


Gestapelte Frauen
Unionsverlag
Zürich, 2021
[Ü: Barbara Mesquita]

Patrícia Melo [ Brasilien, Schweiz ]

Die Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Dramatikerin Patrícia Melo wurde 1962 in Assis im brasilianischen Bundesstaat São Paulo geboren. 1978 zog sie in die Hauptstadt und studierte an der Philosophischen Fakultät der Pontifícia Universidade Católica de São Paulo. Danach arbeitete sie als Drehbuchautorin für verschiedene brasilianische TV-Projekte und eine Serie des portugiesischen Fernsehens.
In Lissabon schrieb sie auch ihr erstes Prosawerk »Acqua Toffana« (1994; dt. »Ich töte, du stirbst«, 2001). Es lässt sich – wie auch die meisten folgenden Publikationen – dem Genre der »urbanen Prosa« zuordnen, die von Elementen des Kriminalromans geprägt sind. Melo will sich indes nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, um die Dynamik der eigenen Entwicklung nicht auszubremsen. In vielen ihrer sozialkritischen Romane steht die Gewalt als Phänomen der brasilianischen Gesellschaft im Vordergrund: »Gewalt, wie sie in Brasilien von der Kolonialisierung über die Diktatur bis hin zur Erneuerung der Demokratie erlebt wurde, ist grundlegend für die brasilianische Kultur. […] Man begreift das Brasilien von heute nicht, wenn man die Gewalt in unserer Geschichte und Gegenwart nicht begreift.« Für ihren halbdokumentarischen Roman »O Matador« (1995; dt. 1997) über den Werdegang eines Profikillers führte Melo Interviews mit inhaftierten Auftragsmördern. Der Text unternimmt nicht nur eine Analyse gesellschaftlicher Umstände, sondern stellt auch eine sprachliche Realitätsnähe zum Leben in den Favelas von São Paulo her. Der Roman wurde u. a. mit dem Deutschen Krimipreis auszeichnet und 2003 verfilmt. Ihre Gesellschaftssatire »Elogio da Mentira« (1998; dt. »Wer lügt, gewinnt«, 1999) erzählt von einem erfolglosen Krimiautor, der mit seiner Geliebten, einer Schlangenzüchterin, deren Ehemann beseitigen will, was gründlich missrät: Statt das Zeitliche zu segnen, humpelt der verhasste Ehemann weiter durchs Leben, sodass ein zweiter Mordanschlag folgen muss. 2001 erhielt Melo für ihren vierten Roman »Inferno« (2000; dt. 2003), in dem sie auf äußerst realistische Weise Aufstieg und Fall eines Drogenbarons in einem Armenviertel von Rio de Janeiro schildert, den bedeutenden brasilianischen Literaturpreis Prêmio Jabuti. Nach einer Reihe weiterer Romane, darunter »Valsa Negra« (2003; dt. »Schwarzer Walzer«, 2005) und »Gog Magog« (2017; dt. »Der Nachbar«, 2018), legte Melo zuletzt »Mulheres Empilhadas« (2019; dt. »Gestapelte Frauen«, 2021) vor, einen Roman über die Femizide als systemisches Problem einer von Männern dominierten Gesellschaft.
Patrícia Melo wurde mit einer Vielzahl internationaler Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem LiBeraturpreis und dem Prix Deux Océans. 1999 kürte sie das »Time Magazine« zur »führenden Schriftstellerin des Millenniums« in Lateinamerika. Ihre Werke erschienen in Übersetzung u. a. in England, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Deutschland, Italien, Spanien und China. Die Autorin lebt in Lugano.