Portrait Bae Suah
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2021.

Bibliographie

A Greater Music

Open Letter

Rochester, 2016

[Ü: Deborah Smith]

 

Weiße Nacht

Suhrkamp

Berlin, 2021

[Ü: Sebastian Bring]

Bae Suah [ Südkorea ]

Bae Suah wurde 1965 in Seoul geboren. Sie studierte Chemie an der Ewha Womans University und arbeitete zunächst als Beamtin. Ihre erste Erzählung entstand, so schildert es die Autorin in einem Interview mit »The Guardian«, eher zufällig beim Einüben des Zehnfingersystems. 1988 gewann sie mit einer Erzählung einen Literaturwettbewerb für Nachwuchsschriftsteller*innen. In der Folge gab sie ihre Beamtenlaufbahn zugunsten der Schriftstellerei auf. Mit ihrem mehrere Erzählbände und Romane umfassenden Werk gilt Bae Suah in ihrem Heimatland als eine der renommiertesten Gegenwartsautorinnen. Ihr Stil, zunächst von einem ausgeprägten Zynismus gekennzeichnet, wurde mit der Zeit immer experimenteller. In der koreanischen Literaturszene ist sie für ihre Literaturperformances bekannt, bei denen sie Texte vorträgt, oft begleitet von Musik, Videos oder Filmausschnitten. Seit einem Aufenthalt in Berlin im Jahr 2001 ist sie zudem als Übersetzerin aus dem Deutschen tätig und übertrug u. a. Werke von W. G. Sebald, Franz Kafka und Jenny Erpenbeck ins Koreanische.

Mit »A Greater Music« erschien 2016 erstmals ein Roman von Bae Suah in englischer Übersetzung. Im Mittelpunkt des in Berlin angesiedelten, mit Reflexionen zu Musik und Kunst, Identität und Sprache verwobenen Geschehens steht eine junge koreanische Schriftstellerin, deren Beziehungen zu Joachim, einem Metallarbeiter, und ihrer Deutschlehrerin M einen starken Kontrast zueinander bilden. »Weiße Nacht« (2021) ist der erste Roman Bae Suahs, der in deutscher Übersetzung erscheint. Nach dem Ende ihrer letzten Schicht in einem Hörtheater, das am nächsten Tag für immer schließen wird, begibt sich die 28-jährige Ayami auf die Suche nach einer verschollenen Freundin. Im heißen Seouler Sommer entfaltet sich eine unkonventionelle Detektivgeschichte mit Anklängen an den koreanischen Schamanismus, dem zufolge alle Dinge beseelt sind. Typisch für den Roman sind die Wiederholungen einzelner Formulierungen und Motive, die einen Déjà-vu-Effekt und gleichzeitig eine desorientierende Wirkung hervorrufen. Den Roman zu lesen fühle sich an »wie in ein surrealistisches Gemälde zu stürzen«, so »The Guardian« über die englische Übersetzung »Untold Night and Day« (2020). »Gerade wenn man denkt, man hätte Boden unter den Füßen, schmilzt die Zeit dahin, und die Grenze zwischen Realität und Traum zerfließt.«

Bae Suah wurde 2003 mit dem Hankook-Ilbo-Literaturpreis und 2004 mit dem Tongsŏ-Literaturpreis ausgezeichnet. 2018 war sie Writer-in-Residence in Zürich, heute lebt sie in Seoul und Berlin.