Portrait Antonio Ortuño
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2016, 2018.

Bibliographie

El buscador de cabezas
Joaquín Mortiz
Mexiko-Stadt, 2006
Recursos humanos
Anagrama
Barcelona, 2007
La señora rojo
Páginas de Espuma
Madrid, 2010
Die Verbrannten
Kunstmann
München, 2015
[Ü: Nora Haller]
Méjico
Océano
Mexiko-Stadt, 2015

Antonio Ortuño [ Mexiko ]

Antonio Ortuño wurde 1976 in Guadalajara, Mexiko, geboren. Zunächst wandte er sich dem Journalismus zu und arbeitete einige Jahre für die mexikanische Zeitung »Milenio«. Außerdem schreibt er Beiträge für bedeutende Kulturmagazine wie »Letras Libres« und »La Tempestad«.

Seinen ersten Roman, »El buscador de cabezas« (Ü: Der Headhunter), veröffentlichte Ortuño 2006. Die Handlung kreist um den geläuterten Faschisten Álex Faber, der ein neues Leben als Journalist bei einer linken Zeitung beginnt, und um dessen Nöte, als die extreme Rechte an die Macht gelangt und er sich entscheiden muss, ob er opportunistisch zu seinen früheren Überzeugungen zurückkehrt oder den Versuchungen der Macht standhält. Der Roman erhielt zahlreiche Auszeichnungen, die Zeitung »Reforma« wählte ihn zum besten Debüt des Jahres 2006. Bereits in seinem Erstlingswerk etablierte Ortuño, der auch Kurzgeschichten veröffentlicht, seinen charakteristischen Ton: Sarkasmus, schwarzer Humor und explizite, teils ins Groteske übersteigerte Gewaltdarstellungen machen seinen Stil aus. Seine thematische Bandbreite ist dabei beachtlich: Sein Debütroman ist angesiedelt in einem nicht näher zu bestimmenden Land und beschäftigt sich mit staatlicher Instabilität, Repression und persönlichen Schicksalen in dieser Gemengelage; ganz anders »Recursos humanos« (2007), sein zweiter Roman, der für den renommierten Premio Herralde de Novela nominiert war. Darin wirft der Autor einen bösartig-satirischen Blick auf den Büroalltag. Der frustrierte Büroangestellte Gabriel Lynch leitet einen einsamen Feldzug gegen seinen Chef ein und schreckt auch vor terroristischen Methoden nicht zurück. In »Méjico« (2015) behandelt der Autor die Flucht republikanischer Milizionäre nach Mexiko während des Bürgerkriegs in Spanien sowie die Flucht eines Nachfahren dieser Republikaner in die entgegengesetzte Richtung aus weniger ehrenhaften Gründen. Dabei geht der Autor, selbst Sohn eingewanderter Spanier, der Frage nach der nationalen Identität Mexikos auf den Grund. »La fila india« (2013; dt. »Die Verbrannten«, 2015) ist das erste Werk Ortuños, das auf Deutsch erschienen ist. Der Kriminalroman behandelt die Migration der unzähligen Mittelamerikaner, die über Mexiko in die USA zu gelangen suchen und dabei nicht selten zu Gewaltopfern werden. Eine Ermittlerin muss gegen viele Widerstände und die herrschenden korrupten Strukturen den Mord an zahlreichen Migranten aufklären, die durch Brandstiftung in ihrer Notunterkunft ums Leben gekommen sind. »Der Schrecken in Mexiko scheint weit weg, doch erinnert er an die Menschen, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrinken [...]. Vielleicht ist Mexiko näher, als uns lieb ist«, befindet die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«.

Das Magazin »Granta« führte Ortuño 2010 auf der Liste der bedeutendsten jungen spanischsprachigen Schriftsteller. Das Werk des Autors wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.